Die richtigen Schnörkel an passenden Stellen

Dekanatskantoren boten nebenamtlichen Organisten Fortbildung zum Umgang mit Verzierungen

 

 RHEIN-LAHN. (22. Mai 2018) „Art Deco – über den richtigen Schnörkel an der passenden Stelle“ war eine Fortbildung für nebenamtliche Organistinnen und Organisten im evangelischen Dekanat Nassauer Land überschrieben. An der neuen Eule-Orgel in der Martinskirche in Bad Ems brachte sie tiefere Einblicke in die historische Verzierungspraxis. Die Dekanatskantoren Martin Samrock und Ingo Thrun führten den Teilnehmenden dabei vor Augen,  wie komplex dieses Thema ist, wollte man sich theoretisch damit befassen, und sie gaben ganz praktische Tipps fürs Verzieren im eigenen Spiel.

 

Die Kantoren erläuterten die unterschiedlichen Auffassungen im französischen und deutschen Barock. Je nach Ort und Zeit wurden unterschiedliche Zeichen verwendet; auch so mancher Notenherausgeber lieferte seine eigene Interpretation. Dazu gab es Notenbeispiele mit Verzierungstabellen im Anhang an die Hand, um vor allem die praktischen Möglichkeiten für Laienorganisten zu ergründen.

 

Martin Samrock führte an der Orgel vor, wie langweilig ein schlichtes Orgelstück ohne „Schnörkel“ klingt und wie lebendig und hörenswert es durch Verzierungen an geeigneten Stellen werden kann. So wurde aus der Theorie praktischer Nutzen. Deutlich wurden der Zusammenhang zwischen Notation, Tempo und Artikulation sowie der Sinn, mit Hilfe der Ornamente in der alten Musik Leidenschaften und Empfindungen auszudrücken. „Der Spieler muss sich immer auch klar machen, wie viel improvisatorische Freiheit der Komponist gewährt und wo Verzierungen genau vorgeschrieben sind“, erfuhren die Organisten.

 

Auch manches „Schmankerl“ bereicherte den Nachmittag wie beispielsweise die Behauptung Ingo Thruns, Johann Sebastian Bach sei in Verzierungshinsicht ein Franzose. Hat er doch für seinen Sohn Wilhelm Friedemann die Verzierungstabelle von J.H. D‘Anglebert wörtlich übernommen. Praxisnah spielte Thrun das allen „Nebenamtlern“ wohlbekannte Choralvorspiel „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ aus dem Orgelbüchlein mit etlichen zusätzlichen improvisierten Ornamenten.

 

„Viele Tipps der beiden Profis, worauf man im Einzelfall achten sollte, können uns künftig beim Spielen eine hilfreiche Unterstützung sein“, zog Organistin Sigrun Köpper aus Bad Ems eine Bilanz der Fortbildung. „Eine wichtige Einsicht für uns ergab sich am Beispiel Georg Böhms: Mit der richtigen Notenausgabe hat man viel gewonnen!“, so Köpper.

 

 

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